BERICHT: Ultra Braveheart Battle 2016 - the next generation!

Einer der wichtigsten Termine im Jahr ist der Tag, an dem der Braveheart Battle die Tore zur Hölle öffnet. Und bei diesem Lauf kann garantiert jeder seine persönliche Hölle durchleben!

 

So haben auch wir uns dieses Jahr wieder zur Battle-Arene auf gemacht. Dieses Jahr gab es ein wirkliches Highlight. Eine neue Strecke war angesagt. Austragungsort ist nicht mehr Münnerstadt, sondern Bischofsheim an der Rhön. Bereits im Vorfeld stand fest, dass es in der Rhön ein ausgeprägtes Höhenprofil geben wird. Für mich ein bisschen Heimspiel, da ich in dieses Gebiet regelmässig zum Trainieren für die Zugspitze anzutreffen bin. Aber umso mehr war mich auch bewusst, das die Strecke mit den eingebauten Hindernissen und der doch immer eher rauen und kalten Wetterlage eher kein Zuckerschlecken werden wird.

Aber nun alles der Reihe nach.

 

Weiter unten schreibe ich ein paar, aus meiner Sicht, wichtige Tipps zur richtigen Ausrüstung und Vorbereitung (gerade für Frischlinge) für diesen Extremlauf. Also wer den eigentlichen Bericht überspringen möchte und gleich ein paar Infos abgreifen möchte scrollt mal schnell weiter nach unten ;-) Der Rest folgt einfach den Zeilen von oben nach unten.

 

Und wer nicht gerne liest kann auch nur das Video ansehen. Auch weiter unten zu finden...


Die Tage vor dem Lauf dienen der Ausrüstungsvorbereitung und der mentalen Stärke

Wie lange sehne ich schon diesen Tag wieder herbei. Genau genommen immer gleich nach Ende des Laufs ;-) Aber umso näher der Braveheart Battle Wettkampftag rückt, umso langsamer scheint die Zeit zu vergehen. Besonders schlimm ist das am Vortag hier dreht sich dann alles nur noch um den BHB.

Meine Ausrüstung ist gut 2-3 Tage vor dem Lauf komplett und liegt auch schon im Keller fein säuberlich aufgereiht bereit. Bei diesem Lauf ist ein Vorteil, dass man nicht viel mitnehmen braucht. Denn die Streckenbeschaffenheit mit Schlamm und viel Wasser fordern das Maximum vom Material und was nicht wasserdicht ist bleibt sowieso auf der Strecke! Also ist an Sachen wie Smartphone, Pulsuhr oder ähnliches eigentlich gar nicht zu denken. Da ich sehr experimentierfreudig bin habe ich mir aber trotzdem mal eines der angepriesenen Outdoor Smartphones besorgt (Samsung xcover 3). Hintergrund war, dass dieses Jahr meine Famaly auch mal zum Zuschauen kommt und ich sicherstellen wollte, dass diese exakt sehen können wo ich gerade bin um sich an den richtigen Hindernissen zu positionieren.

Wie das geht? Ganz einfach!

  • First of all benötigt man ein eben wasserdichtes und robustes Smartphone (Outdoor Gerät)
  • GPX Tracker App (in meinem Fall followmee.com)

Die Followmee App übermittelt in einem eingestellten Zeitintervall meine genaue GPS Position an die Webseite des Anbieters. Familie etc. können unterwegs auf genau diese Seite zugreifen und auf einer Google-Earth ähnlichen Karte den Verlauf und auch die genaue Position sehen.


Tolle Erfindung und es hat in der Vergangenheit bei meinen langen Läufen wie Zugspitz Ultra auch bestens funktioniert. So auch beim BHB Lauf. Meine Family hat mich sicher gefunden und war an zahlreichen Hindernissen zu meiner Freude anwesend. Ohne dieses System hätten die mich sicher nicht gefunden oder gesehen ;-)

Wie man meiner Zusammenstellung auf dem Bild entnehmen kann laufe ich in 3/4 Tight (die übrigens hiermit ihren 7 Lauf absolvieren wird beim BHB). Die Calvs diesen neben Kompression der Wade und somit Schutz vor Krämpfen auch dem Wärmeschutz. Zusätzlich lassen sich darin wunderbar auf jeder Seite jeweils ein UltraGel sicher platzieren. Da der Lauf mit der richtigen Bekleidung des Oberkörpers steht und fällt - setze ich wie die letzten Jahre als Grundschicht auf ein sehr dünnes kurzärmeliges Neo-Oberteil (ca. 1mm dick). Dieses liegt eng an und hält die Wärme der Körpermitte wo sie hin gehört. Im Wasser sorgt diese Schicht dafür, den ersten Kälteschock abzuwenden. Kalt wird es später natürlich im Wasser auch. Aber dieser Atemreflex bei eintauchen bleibt erstmal aus. Darüber gab es dieses Jahr das Finisher-Shirt von 2015.

Da ich mich auf sehr kaltes Wetter einstelle, schütze ich die Arme noch mit Armlingen die man im Bedarfsfall (wenn es zu warm wird) Richtung Handgelenk vorschieben könnte. Kommen wir zum Schluss zum wichtigsten Bestandteil. Die Handschuhe. Hier muss jeder seine Allzweckwaffe selber finden. Dieses Jahr hab ich auf einen neuen Typ Handschuh gesetzt und ich muss sagen die sind nun mal wirklich perfekt und werden mich bei diesem Lauf die kommenden Jahr begleiten. Mehr zu den Handschuhen weiter unten. Es gibt sogar einen eigenen Blogbeitrag zu diesen Handschuhen. Schaut später mal im Bereich Ausrüstung rein. Diese Handschuhe sind eine richtige Waffe. Die lassen erst los, wenn du los lässt ;-)

Dann habe ich noch ein Startnummernband sowie eine dieser super kleinen Umhängetaschen die sich dem Packvolumen anpassen. Also nicht nur was für den BHB sondern auch für den kurzen Trainingslauf etc. In diese Tasche packe ich die Zusatzakkus meiner GoPro die wiederum in einer wasserdichten flexiblen Hülle aufbewahrt werden. Daneben ist dann noch das Outdoor-Smartphone untergebracht sowie zu guter letzt ein GelChip von UltraSports.

Damit hält sich das, was man braucht doch stark in Grenzen gegenüber einem klassischen Ultra-Lauf wie ZUT bei dem man gut 4-4,5 kg Pflichtausrüstung im Rucksack hat. Würde ich noch auf die persönlichen Goodies wie GoPro + Akkus etc. verzichten reicht einfach die Laufkleidung ;-) Aber etwas Zusatzgewicht kann ja nie schaden.


Der Abend vor dem Lauf

Nach wie vor vergeht die Zeit nur langsam! Am Abend bereite ich schon mein Frühstück für den kommenden Morgen vor und stelle alles bis ins letzte Detail in der Küche bereit. So Sachen eben wie UltraSports Buffer, Starter etc. Früh werde ich dass dann gleich alles trinkfertig in Flaschen abfüllen um es dann zur richtigen Zeit Vor-Ort zu trinken.

Bei mir gibt es am Vorabend eines Wettkampfs immer eine Pizza (in der Regel selbstgemacht). Darauf kommt: Tomatenmark, Pizza-Tomaten, Pilze für Chrom, Schinken für ausreichend Salzversorgung sowie viel Käse. Das Ganze ab in den Offen und 15 Minuten Später ist die Pizza auch schon fertig. Mit so einer Pizza hat man alles was der Körper für den nächsten Tag braucht kompakt in einem Essen.

Um mir nun die Zeit noch etwas zu vertreiben - gibt es eine Runde TV und dann gehe ich schon sehr früh 21:30 Uhr schlafen. Natürlich dauert es vor innerlicher Aufregung eine  längere Zeit bis man einschläft aber das wird der eine oder andere sicher auch kennen. Irgendwann übermannt einen dann aber doch der Schlaf. Gegen 3:45 müsste es gewesen sein - bin nich aufgewacht und habe auf den Wecker geschielt. Beim Anblick der Uhrzeit habe ich mich getrost noch einmal rumgedreht und bin sogar wieder eingeschlafen.


Kurz vor der Schlacht!

Punkt 5:00 Uhr vibriert das Handy. Der Wecker würde als zweites Sicherheitsinstrument 3 Minuten später und viel weiter außerhalb der Griffreichweite dazu kommen. Aber das hat es heute nicht gebraucht. Frisch und munter aufgehüpft und Vibrationsalarm und Wecker deaktiviert. Dann geht es schon eine Etage höher ins Wohnzimmer und ab in die Laufkleidung.

Der Rest der noch mit muss steht schon in einem Wäschekorb bereit. Danach Frühstücke ich erst einmal - viel passt um diese Uhrzeit noch nicht rein. 1 Glas süsser Saft sowie zwei Toastscheiben mit Honig und einen Tee gefolgt von einer ersten Banane. Danach bleibt noch ein bisschen Zeit um noch einmal auf der BHB Seite und mit Google Earth die Parkplatz-Situation etc. zu checken. Startnummer bei Mika-Timing abrufen und schon sagt die Uhr 6:30 Uhr. Zeit aufzubrechen!

Ruck zuck sitze ich im Auto. Wäschkorb und Laufschuhe sind sicher im Kofferraum verstaut. Die Fahrt führt mich nun als erstes zum Gewerbegebiet von Werneck an der A70. Hier sammle ich Thomas meinen Laufkollegen für den BHB ein.

 

Wir treffen uns aus strategischen Gründen dort. Von hier können fahren wir direkt wieder kurz Richtung Schweinfurt und fahren über die A71 über Bad Neustadt zum Austragungsort Bischofsheim an der Rhön.

Schnell verlädt er alles von seinem Fahrzeug in meines und die gemeinsame Fahrt und das bevorstehende Abenteuer kann beginnen.


Kurz vor 8:00 Uhr kommen wir in Bischofsheim an. Der Ort liegt noch ruhig und friedlich da. Bis auf ein paar wenige Ordner die schon ihren Dienst begonnen haben sind die Straßen und Gassen noch verhalten leer. Nur die bereits aufgebauten Hindernisse deuten auf etwas großes hin, dass dem beschaulichen Ort bevorsteht.

Zielsicher sind wir auf einem Parkplatz gelandet und machen uns direkt auf den Weg zum Sportgelände. Offensichtlich sind wir eine Abfahrt zu früh runter von der Bundesstraße und sind nicht auf dem geplanten Großparkplatz gelandet sondern hatten gut 1km bis zum Sportplatz durch die Innenstadt.



Auch am  Sportgelände ist es noch schön leer. Das soll sich später massiv ändern! 8:00 Uhr hat sich für uns somit als optimale Zeit zum Abholen der Startnummern gezeigt. Wir hatten also gut den zeitlichen Ablauf geplant. Nachdem wir die Startnummern von den netten Damen der Ausgabe erhalten hatten, blieben wir noch einige Zeit in dem warmen Zelt und trafen hier an unserem Tisch auf zwei Bekannte, die beim BHB Trainingslauf der BHB Gruppe Schweinfurt KG auch mal dabei waren. Man tauschte sich schon etwas über den Lauf aus und was so auf einen zukommt.

Gegen 9:00 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg zum Parkplatz. Dort wurden die Startnummern angelegt und der letzte Rest gechecked. Einen Nachteil hat natürlich das frühe ankommen ;-) man ist schon etwas durchgefroren. Das gibt schon erste Eindrücke auf das was uns bevorsteht. Durchgefroren und sichtlich am zittern haben wir uns am Treffpunkt mit der BHB Gruppe SW-KG bei der Schaubrennerei Dickas eingefunden. Die Gastwirtin hat uns angeboten im Lokal zu warten bis die anderen eintreffen. Das haben wir dankend angenommen. Die ersten haben nicht lange auf sich warten lassen und immer mehr bekannte Gesichter trudeln im Lokal ein. Man kann sagen hier hat sich eine geschlossene Gesellschaft versammelt ;-)

Wir wünschten allen viel Erfolg und man sieht sich ja auf dem Schlachtfeld wieder. Unser Ziel war es nun, uns gleich um 10:00 Uhr im Startfeld einzureihen. Unter allen Umständen wollten wir dieses Jahr im ersten Startblock und ganz vorne Starten. In den letzten Jahren hat sich der Start lange hingezogen und ich wollte auch mal eine bessere Zeit laufen. Das geht nur wer wirklich vorne startet! Zu unserem Erschrecken haben sich da schon andere auch solche Ziele gesetzt. Eine große Herde verrückter ist schon vor dem Startbogen versammelt. Wir reihen uns ein und man kann sagen, die Läufer stehen dicht gedrängt.

Auch 60 Minuten bis zum Start können sich lange hinziehen, wenn man so eng und eingepfärcht stehen muss. Die Stimmung unter den Läufern ist sehr gut und alle warten nur noch auf den erlösenden Startschuss. Kurz vor dem Start wird die Absperrung in den ersten Startblock geöffnet und unter dem alt bekannten BHB Schlachtruf drängt sich die Masse in den Startkanal. Von der Seite her versuchen sich noch unzählige Läufer in den Block zu quetschen. Wäre hier jemand gefallen - kann man davon ausgehen, dass die Person wohl nicht mehr so ohne weiteres hätte aufstehen können. Das Feld ist noch mehr verdichtet und dann heißt es noch niederknien zum BHB Gebet. Eigentlich kann man diese  Tortur bereits auch als Prüfung oder Hindernis sehen ;-) Die Lautsprecher waren so weit weg, dass man nichts hören konnte auch einen Startschuss konnte man nicht hören. Unter Grölen setzte sich das Feld plötzlich in Bewegung und das Battle ist eröffnet.

Bei diesem Start kann man wortwörtlich von einem wahren Kaltstart sprechen. Unmittelbar nach verlassen des Sportgeländes geht es immer leicht ansteigend hinauf. Mit einem sehr schnellen Starttempo preschen wir über die Strecke. Schnell wird klar, dieses Tempo ist für den bevorstehenden Lauf mörderisch. Nach ca. 4km drossele ich meine Geschwindigkeit und es geht immer steiler bergauf. Noch gibt sich keiner die Blösse und geht die Berge. Alle Kämpfen sich Richtung Osterburg hinauf. Mir geht es bisher ganz gut und ich überhole viele Läufer hochwärts Richtung Osterburg. Die Strecke ist inzwischen weiß und vereist.

Die Osterburg streift man so, dass diese rechts von einem liegt. Nachdem die Kuppe überwunden ist, stürzen wir Läufer uns nun wieder den Berg in die Tiefe hinab. Auf dem glatten weg geht es nun nur noch darum möglichst nicht zu stürzen oder wegzurutschen. Rasant und lange kann man es bergab "rollen" lassen. Aber so wie jeder Anstieg seine Abstieg hat, so ist es nun auch wieder umgekehrt. Doch der Veranstalter hat daraus gleich ein wirklich Kräfte verzerrendes Monster geschaffen. Es geht den Berg bei der Skischanze hoch. Wer oben ankommt kann es schon erahnen! Das ganze Spiel geht im Nachgang noch vier mal weiter. Immer wieder muss man sich nun einem mörderischen Anstieg und ebenso kräfteraubenden Downhill stellen. Hier werden die angefutterten Energiereserven gleich einmal dezimiert und die Spreu vom Weizen getrennt. Einzigster Gedanke nachdem man dieses Hindernis passiert hat: "Hoffentlich muss man das nicht noch einmal auf dem Rückweg absolvieren!".

Der Braveheart Lauf hat sich aus meiner Sicht mit dieser Strecke in eine neue Liga katapultiert. Gäbe es den Zusatz Ultra bei OCR Veranstaltungen dann wäre dieser Lauf nun der Ultra schlecht hin unter den OCR´s. Fakt ist aber, die Hölle ist hier dieses Jahr zugefroren. Immer wieder durchqueren wir Schnee und kleinere Eisfelder. Inzwischen kämpft sich das Feld der tapferen den Anstieg Richtung Kreuzberg hinauf. Mentales Ziel ist das Hindernis des Gasthofs Roth. Überall wo man hinsieht Schnee! Jetzt heißt es oben runter auf alle vier und durch ein mit Stacheldraht überzogenes Hindernis kriechen. Rechts und links sind die Zuschauer aufgereiht und begleiten eifrig mit Geschrei und Klatschen das sich abspielende Spektakel. Wieder hoch auf die noch immer vom Anstieg brennende und inzwischen ermüdende Beinmuskulatur bevor es nach ein paar kurzen Schritten der Lockerung schon wieder in den Dreck geht. Nun erstreckt sich schon das nächste Hindernis vor einem. wieder ist es eine Art Tunnel der sich den Berg hochzieht. Abgehängt mit einem Tarnnetz kriecht und robbt man den Anstieg empor. Am Ausgang wird es heller und das Publikum baut einen wieder mental auf. Jetzt ist zur Belohnung wieder ein wirklich langer und sehr rasanter Downhill angesagt. Aufpassen muss man nur wieder mit Schnee und gefährlichen Eisplatten. Auch der Gegenverkehr ist nicht zu unterschätzen. Immer mal wieder kommen einem Gruppen entgegen die nebeneinander Laufen und wohl noch nicht bemerkt haben, dass man wie der Blitz von oben angerannt kommt.



Im Tal angekommen zieht sich der Lauf im Bogen über noch so einige Hügelketten bis man dann im Herzen der Strecke in Bischofsheim landet. Schon von weitem kann man sie dortige Stimmung ausmachen. Grölen, Huben und Geraune vom Publikum durchziehen die eisige Luft.

Zuerst geht es über zwei kleine Stellwände bevor man dann nach kurzer Zeit durch die Wasser gefüllten Container tauchen muss. Auch alte Bekannte wie die Schäferwand stellen sich dem Braveheart in den Weg. Routiniert überwinden wir auch dieses Hindernis.

 

Nun war es an der Zeit, dass wir mit dem Wasser der Rhön intensiver in Kontakt kommen. Zack zack ein paar Steine hinab und schon wadet man Knietief durch das eisige Wasser. Durchquert zweimal ein Gewölbe unter der Brücke und darf darf dann sogar noch mit dem Oberkörper auf Tuchfühlung mit dem Wasser gehen. Fröstelnd setzten wir den Lauf fort. Nun noch schnell durch den einen oder anderen Reifenstapel und der Weg führt uns durch eine Stadtmauer Richtung Highlight jedes Braveheart Battle-Laufs. Was früher Lanop-Fields hieß - wurde nun in Bundeswehr-Fields getauft.

 

Doch davor stellt sich wieder ein Bachlauf in den Weg. Mutig stapft man diesen entlang und wird wieder auf die Knie gezwungen. Unter gespannten Netzten geht es hindurch. Man ist nun Teil der Schneeschmelze und atmet tief ein. Kälte durchzieht die Gliedmaßen und lässt uns Läufer unweigerlich panisch und schnappend atmen.

Fast Halbzeit könnte man sagen

würden sich da vor einem nicht diese bedrohlichen tiefen Erdlöcher auftun. Verzweifelte Schreie liegen in der Luft. Blankes Entsetzen in den Gesichtern. Schlammmonster fassen uns Läufer und ziehen uns an den Füßen tief in den Schlamm. Einmal eingesunken steckt man wie in Beton eingegossen fest. Nur unter größter Anstrengung kann man sich nach langem Kampf befreien um beim nächsten Schritt wieder erneut einzusinken. Schritt für Schritt kämpft man sich voran. Der ein oder andere Läufer wird nach dieser Begegnung ohne Schuh weiter müssen. Diese sind für immer in den Tiefen des Schlamms verloren. Auch mein Schuh hat sich einmal verabschiedet bei diesem Lauf. Bei soviel Matsch ist es wirklich nicht einfach die Handschuhe ab zu bekommen um die Schnürrung der Salomon Schuhe öffnen zu können. Zudem war diese total verschmutzt. Irgendwann gelang es mir dann wieder in den Schuh zu kommen, diesen zu befestigen und die Handschuhe wieder anzuziehen. Die Tortur konnte weiter gehen. Rein in die Schlacht und mutig hindurch. Von unten half man den Bravehearts nach oben während helfende Hände bereits von oben bereit standen. Jeder half jedem. Der Teamgeist ist wie jedes Jahr ungebrochen und es wird keiner zurück gelassen.

Leider kann ich ab dieser Stelle keine Bilder mehr liefern. Das Objektiv der GoPro war komplett mit Matsch zu.

Danach ging es zum nächsten Highlight. Hightec Maschinen stellten sich uns in den Weg. Zwei Schneekanonen feuerten aus allen Rohren auf die Läufer. Das Wasser peitscht nur so in das Gesicht. Kurz bevor man es durch den Wasserstrahl der beiden Ungetüme geschafft hat muss man sich mit aller Kraft dagegen stellen um nicht doch noch umgeworfen oder wieder zurück gedrängt zu werden. Meine rechte Kontaktlinse hat sich dabei auch verabschiedet. Auf einem Auge halb blind geht es nun durch völlig zerstörte Autos hindurch.

Und wer jetzt denkt er hat die hälfte geschafft - liegt damit vielleicht richtig. Aber das ganze Spiel geht es jetzt noch einmal in umgekehrter Reihenfolge zu schaffen! Und der Körper signalisiert schon lange mit brennenden Muskeln, dass ein bedrohlicher Erschöpfungszustand erreicht ist. Zittrig und frierend setzt man den Lauf fort. Wohlwissend, dass nun erneut die Hölle über einem zusammen bricht. Es hilft nichts. Man hat nur zwei Möglichkeiten. Kämpfen oder erfrieren. Aufgeben ist keine Option. Diesen Leitspruch sagt man sich immer und immer wieder. Vorwärts Braveheart!

Hat man die Schlammhölle abermals hinter sich gelassen konnte man sich mit einem ausgiebigen Bad in der Brend säubern und die inzwischen einfach wirkenden Hindernisse der Innenstadt stellen. Nachdem man Bischofsheim hinter sich gelassen hat konnte man schon das rechnen anfangen. Kilometer um Kilometer kämpft man sich weiter irgendwann passiert man Kilometer 22, 24 und bei Kilometer 25 treffe ich auf Masterchief Joachim. Er spricht allen die vorbei kommen Mut zu. Nur noch 6 Kilometer dann habt ihr es geschafft. Ein Ende ist in Sicht. Aber jetzt nicht vor Vorfreude übermütig werden! Es geht lange und steil die Osterburg hinauf. Erst als man oben angekommen ist - entwickelt man neue Kräfte. Nun geht es ca. 3 Kilometer nur noch abwärts. Thomas ist bei Kilometer 25 auch wieder zu mir gestoßen und den restlichen Weg sind wir zusammen gelaufen. Wir konnten das Tempo bis zum Ziel sogar noch einmal erhöhen und haben zusammen den Lauf gefinished.

Was für ein harter Kampf!

Die diesjährige Strecke war brutal hart! Nicht nur der Kampf gegen die Höhenmeter und die Hindernisse machten es uns Läufern schwer. Hinzu kam die eisige Kälte der Rhön, die doch vielen Bravehearts das Genick gebrochen hat. Die Rettungskräfte waren gut ausgelastet und auch der Hubschrauber war wohl ein bis zweimal im Einsatz.

Wir sind überglücklich die Schlacht wieder zu unseren Gunsten entschieden zu haben.

Zielverpflegung

An dieser Stelle  muss ich noch etwas zur Zielverpflegung sagen. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie es ist, wenn man nach fünf Stunden bestialischer Anstrengung durch das Ziel kommt und eine so große Auswahl an Lebkuchenvariationen auf einen wartet. Das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen. Was für ein genialer Geniestreich Lebkuchen als Zielverpflegung. Lecker ohne Ende. Dazu eine breite Auswahl an Getränken und sogar Red-Bull direkt am Ziel.

Mein Fazit

Zuhause geduscht und sofort für 2017 wieder angemeldet ;-) Das sagt doch alles oder...


Das war meine 7. Teilnahme am Braveheart Battle.


Video zum BHB 2016

Aufgenommen mit GoPro Hero 4.  Videolänge 5 Minuten


Tipps & Ausrüstung für den BHB

Wie zu Anfangs erwähnt möchte ich noch ein paar Tipps genereller Natur und zur  Ausrüstung geben. Wenn der nächste BHB auch wieder in der Rhön stattfindet - setzt auf warme Kleidung die möglichst keine Feuchtigkeit speichert! Bewährt hat sich bei mir seit Jahren ein kurzärmeliges Neo-Oberteil mit sehr dünnem Neo. Dieses hält die Kernwärme des Oberkörpers.

Dieses Kleidungsstück gibt es für Frauen und für Männer z.B. bei Decathlon. Darüber zieht man einfach das Finisher-Shirt vom Vorjahr, die Teambekleidung oder das "Lieblings-Laufshirt" an... Der Basis-Schutz besteht schon einmal.

 

Jetzt melden sich bestimmt die ganz harten zu Wort. Genau die, die mit nacktem Oberkörper und am besten noch Barfuss laufen. Könnt ihr gerne machen. So hart bin  ich nicht! Ich bin in erster Linie Sportler und habe noch mehr vor als diesen einen Lauf. Und eines sei gewiss. Dieses Jahr hat es genau diese oben ohne Läufer reihenweise erwischt! Die Rhön ist nicht Münnerstadt und die Sonne hat auch nicht geschienen!

 

Daher kann ich nur raten - sich entsprechend zu kleiden und wenn man Bedenken hat, kann man auch noch mit der Dicke des Basis-Layers (Neo-Oberteil) variieren.

 

Weiter rate ich zu Armlingen. Diese schützen ebenfalls vor Auskühlung aber auch vor Schürfwunden etc.

Was die Hose angeht ist das relativ egal. Hier sollte jeder das Anziehen,  was er erprobt hat. Da erfahrungsgemäss viele Kleidungsstücke die Strecke nur einmal bestehen sollte es nicht gerade die teuerste und beste Hose sein! Das gilt natürlich auch für alle anderen Ausrüstungsgegenstände. Meine Hose ist eine 3/4 Tight und zusätzlich ziehe ich noch Calvs an.

Da ich selber Fan von Salomon Produkten und besonders deren Schuhe bin - habe ich beste Erfahrungen mit Salomon Speedcross 3 gemacht. Auch sehr gut ist La Sportiva und INOV. Die Schuhe müssen sehr gut profiliert sein und sollten fest sitzen. Das ist besonders für die Matschgruben wichtig. Denn ist der Schuh zu locker oder wird der Knöchel nicht gut vom Material umfasst bleibt der Schuh stecken! Man rutscht unweigerlich beim anheben und ziehen aus dem Matsch aus dem Schuh!

Handschuhe müssen ebenfalls sehr guten Halt auf allen erdenklichen Oberflächen bieten. Man kommt mit Metallstangen, Holzwänden und wieder Matsch in Berührung. Hier gibt es schon eine Empfehlung von mir die unter folgendem Blogeintrag zu finden ist.

Neben den Handschuhen empfehle ich noch eine Mütze. Ganz wichtig für diesen Lauf ist zusätzliche Energie dabei zu haben in Form von EnergieGel z.B. von UltraSports. Drei Stück hatte ich dabei. Einen davon habe ich gleich zum Start zu mir genommen. Es dauert schließlich ca. 20 Minuten bis diese wirken und somit steht die Energie genau richtig bereit. Die anderen beiden habe ich rechts und links in den Calfs an den Beinen untergebracht.

Meinen Chip befestige ich über ein Klettband wie oben im Bild abgebildet am Knöchel. Hat jetzt schon jahrelang gehalten. Ein Startnummernband ist auch ein feines Gadget. Auf wertvolle Ausrüstungsgegenstände wie Pulsuhren würde ich verzichten. Diese könnte man sich abreisen oder verkratzen. Auch Smartphones sind generell ungeeignet! Es sei den diese sind Outdoor fähig und vor allem wirklich wasserdicht!

Zum Training sei gesagt - Berge Hügel alles mitnehmen im Vorfeld was geht. Ihr solltet zudem in der Lage sein 20-25 km ohne Probleme laufen zu können. Ich persönlich gehe immer nach der Devise vor, dass man immer das doppelte kann. Bisher bin ich damit gut gefahren ;-) Es geht ja auch darum seine Grenzen immer neu zu überwinden und von sich zu schieben. Hier muss aber wie immer jeder selber wissen was er macht und wo genau seine Endgültige Grenze liegt! Bereitet euch gewissenhaft vor!

So nun wünsche ich viel Spaß bei der nächsten Schlacht.


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